Anlage II zur Berufung in der Sache De Hutte Holding BV gegen das Finanzamt, Verfahrensnummer 07 / 2920 VPB 77 21 Dezember 2008

 

Wie dann?                                    


Integrale (integrierte) Wirtschaft


Wir machen heute mehrere Krisen zugleich durch, Krisen, die unter der Oberfläche miteinander verknüpft sind. Diese Krisen stellen eigentlich immer wieder eine einzige synthetisierende Frage: Wie lässt es sich zusammen leben? Eine Antwort auf diese Frage ist theoretisch ziemlich einfach, doch in der Praxis bedeutend schwieriger, denn dazu gehören immer zwei. ;-)

A. Die Grundlage der Gesellschaft
Um eine gesunde und solide Grundlage für die Gesellschaft zu schaffen, sind Rahmenbedingungen vonnöten, die das (Über-)Leben fördern. Je einfacher diese Bedingungen sind, desto klarer und somit effektiver werden diese (Rahmen‑)Bedingungen sein. Welche Bedürfnisse hat jeder Mensch? Das Bedürfnis nach Trinkwasser, Nahrung, Kleidung, Wohnraum, Bildung und Gesundheitspflege. Während dem Rechtsstaat die Vorgabe der Bedingungen und die Aufrechterhaltung dieser Grundlage der Gesellschaft obliegen, sind wir als Menschen für ihre praktische Umsetzung zuständig, indem wir miteinander kooperieren. Politisch ausgedrückt bedeutet dies Solidarität und die Fähigkeit zu teilen, was vorhanden ist und was benötigt wird.

B. Die unbedingte Notwendigkeit einer integrierten Individualisierung
Ohne integrierte Individualisierung ist die Grundlage der Gesellschaft zum Tode verurteilt. Wenn Sie diese Wechselbeziehung verstehen, liegt der Keim für die pragmatische Umsetzung einer gerechteren Gesellschaft in Ihrer Reichweite. Keine einzige politische, gesellschaftliche, finanzielle oder kommerzielle (Markt-)Partei (sei es Mehrheit oder Minderheit) kann die Exklusivität der Grundlage der Gesellschaft für sich beanspruchen, denn die Grundlage der Gesellschaft ist die Menschheit in ihrer Gesamtheit und erlaubt keinerlei Exklusivität von wem auch immer. Wenn die Grundbedingungen der Grundlage der Gesellschaft erfüllt werden, entsteht wie von selbst ein Nährboden für den integrierten Individualismus, der nichts anderes ist als die völlige Freiheit, sich selbst als Individuum zu entfalten. Selbstverständlich darf diese Entfaltung nicht auf Kosten der Grundlage der Gesellschaft gehen. In politischer Terminologie kann man das als integrierter Individualismus, integrierter Liberalismus bezeichnen. Die Synthese der Grundlage der Gesellschaft und des integrierten Individualismus lässt sich anschließend in die Praxis umsetzen und als integrale Wirtschaft bezeichnen.

Zusammenfassend kann man sagen: Jeder Mensch ist ein Unternehmer, der durch Koordinieren, Kommunizieren, praktisches Handeln und Rückkopplung die Lebensverhältnisse des Einzelnen und der Gesamtheit allmählich verbessert.

Die Folgen für das Rechtssystem

Die notwendige Synthese von Sozialismus und Liberalismus
Es ist unklar, ob die Sozialisten und Liberalen sich heute der Tatsache bewusst sein, dass sie im Grunde dasselbe wollen, nämlich „mehr“. Die Sozialisten wollen, dass dieses „Mehr“ allen zugutekommt. Die Neoliberalen wollen, dass dieses „Mehr“ dem Einzelnen zugutekommt. Doch dieses „Mehr“ ist heutzutage eine bürokratische Illusion, der wir alle kollektiv nachjagen, ob wir nun progressiv, konservativ, liberal oder sozialistisch eingestellt sind.

Eine inhaltliche Synthese von Sozialismus und Liberalismus ist dringend nötig.

Die Bedürfnisse, die jeder Mensch hat:

A) Solidarität als Basispriorität

                                                Grundsicherheiten (= Allgemeinwohl)
1. Luft
2. Wasser
3. Nahrung
4. Kleidung und Wohnraum
5. Gesundheitspflege
6. Bildung
7. Natur und Infrastruktur
8. Gerechte Staatsführung


B) Freiheit, der unbedingt notwendige Spielraum für jedes Individuum

                                                            individuelle Freiheiten
a) Selbstverwirklichung
b) Wissenschaft
c) (Lebens-)Kunst
d) Forschung und Entwicklung
e) Loslösung und Toleranz


Die grundlegenden Prioritäten unter A können ohne die Prioritäten unter B nicht existieren, aber die Prioritäten unter B dürfen nicht auf Kosten der grundlegenden Prioritäten unter A gehen.

Einen solchen Ansatz kann man als gleichzeitig progressiv und konservativ bezeichnen. ;-)

Diese Synthese wird möglich, wenn Partizipation, die Fähigkeit zu teilen, Kooperation und Aufrichtigkeit den Platz der Konkurrenz und der derzeitigen bürokratisierenden Machtmechanismen einnehmen.

Auf rechtlicher Ebene wird sich dann die folgende Änderung bezüglich der Prioritäten vollziehen:

Von der heutigen Situation (größtenteils unbewusst) die wichtigsten als „logisch“ zu bezeichnenden Entscheidungskriterien, die von gegenseitiger Konkurrenz ausgehen:

1. Besitz
2. Schutz der politischen Welt und der Finanzwelt
3. Grundrechte innerhalb des Grundgesetzes und der Europäischen Menschenrechtskonvention


Hin zu:

a. Leben (in der Gesellschaft)
b. Freiheit, Bewusstwerdung und Verantwortlichkeit (innerhalb der Gesamtheit)
c. Besitz

Dabei kommen a und b heutzutage so gut es eben geht in den Grundrechten innerhalb unseres Grundgesetzes und der Europäischen Menschenrechtskonvention zum Ausdruck. Heute ist dies aufgrund der gegenseitigen Konkurrenz zugunsten von Besitzdrang und dem allgemeinen Beharren auf dem Schutz der erworbenen Rechte der Gewinner in Bedrängnis geraten. Die Behörden und die Gesellschaft sind dabei, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, Handlanger für die „Gewinner“ geworden, und zwar auf Kosten der Grundrechte in unserem Grundgesetz. Es ist der Glaube an den Gewinn, der uns heute kollektiv gefangen hält, sodass die eigentlichen gesellschaftlichen Herausforderungen immer mühsamer in die Tat umgesetzt werden können. (Mit anderen Worten: eine Gesellschaft, in der wirklich jeder willkommen ist, und nicht nur die sogenannten Gewinner bzw. der sogenannte Gewinn.)

Der Deutlichkeit halber, wir selbst sind der Nährboden für diese ungerechte Logik. Mit dem Finger auf Andere zeigen funktioniert hier nicht. Die Bewusstwerdung ist die einzige Medizin, mit der eine dauerhafte Genesung erreicht werden kann!
Das ist nur möglich, wenn Menschen ungeachtet ihrer Stellung im derzeitigen System lernen, im Dienste der Gesamtheit Verantwortung zu übernehmen.

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